Mein Kind, dein Kind

Es ist nicht einfach die Balance zu finden, wer wieviel Mitspracherecht in der Erziehung seiner Beutekinder bekommen sollte. Es ist nicht einfach, die Beziehungen zu den jeweiligen „Fremdkindern“ wachsen zu lassen.

Zum Beispiel, wenn Kinder, wie in vielen Haushalten üblich, nur alle 14 Tage da sind. Wie Oma und Opa ihre Enkel verwöhnen, so steht ganz oben auf der Prioliste eines 14-Tage-Elterteils, die kostbare Zeit innig zu nutzen und es den Kleinen auf allen Ebenen recht zu machen, und so lässt man schnell in Sachen „Erziehung“ mal fünfe gerade sein.

Oder wenn man mit einem angehenden Teenager lebt, der sich qua seines Alters sowieso schon mal abkapselt und plötzlich nicht mehr erziehen lassen will von niemandem und schon gar nicht von seinem Bonuselternteil.

Fair zu sein und mit einem gerechten Augenmaß zu handeln, ist deutlich schwerer in der Patchwork- als in der Kernfamilie. Wir messen oft mit zweierlei Maß, wenn es um unsere Kinder geht. Warum? Weil wir im Patchwork-Konstrukt viel stärker um unsere Rollen konkurrieren müssen!


Wir diskutieren zuweilen albern und oft auch wenig valide in unseren Argumenten darüber, ob der Befehlston eines Sechsjährigen ok ist (Argument des Elternteils: er ist ja erst sechs, Gegenargument des Bonuselternteils: Wenn er mit sechs schon so herumkommandiert, wie soll das später werden?) und ob der mauligmuffelnder Motzton des Teenagers zu dulden oder zu verurteilen ist (Argument des Elternteils: Er ist ja gerade in der Pubertät, da ist das so, Gegenargument des Bonuselternteils: Er ist schon 13, er muss es in den Griff kriegen).

Mein Kind, dein Kind? Das sind doch bürgerliche Kategorien! ;-)


Besondere Konstellationen bringen besondere Fragen und Herausforderungen mit sich:

Wer feiert mit wem Geburtstag? Wieviel Zeit am Bildschirm ist erlaubt? Wer räumt die Spülmaschine aus? Kurz: Wer darf was und wer darf was nicht?

Regeln und Strukturen, die sich in Biofamilien ganz selbstverständlich entwickeln, kommen in einem Konstrukt, für das sich vor allem die Kinder nicht freiwillig entscheiden haben, viel schneller als Konfliktpotenzial zum Tragen.

Wichtig ist, sich darüber auszutauschen und vielleicht auch ein paar Regeln aufzustellen.

Wichtig ist, von diesen Regeln auch mal abweichen zu können, weil emotionale Befindlichkeiten und äußere Umstände Sturheit gerade mal nicht zulassen.

Wichtig ist, dass die Erwachsenen sich immer wieder hinterfragen, aus welchem Motiv heraus sie handeln – schlechtes Gewissen, Konkurrenz, alte Verletzungen oder innere Überzeugung? Die Lebensform erfordert ein hohes Maß an Konfliktfähigkeit, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein. Denn eines ist sicher: Kinder lassen sich nur von jemandem erziehen, der sie liebt, der sich für sie interessiert und dem sie vertrauen können.


Wie ist das bei euch? Seid ihr euch in Erziehungsfragen einig? Wie geht ihr mit Konflikten um?



Patchwork-Psychologie:

Wenn zwei Systeme aufeinanderprallen, braucht es vor allem Zeit und Geduld. Alle müssen sich langsam an ihre Bedürfnisse, Grenzen und Werte annähern. Dabei sollte man sich als Erwachsener immer auf das Tempo der Kinder einstellen.

Mein Coachingtipp: Den Helikopter einschalten und das eigene Tun von oben betrachten

S tep back: halte inne und gehe einen Schritt zurück.

T ake a breath: atme mehrfach tief und tief wieder aus.

O bserve yourself: beobachte deine Gedanken und Gefühle.

P roceed: fahre mit dem fort, was dir gut tut.


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