Match!

Wir nehmen Platz in unserem gemeinsamen Leben. Es ist kein halbes Jahr her, seit wir das erste Mal auf unserem Sofa in der neuen Wohnung gesessen und gemeinsam auf unsere neue Familie geschaut haben. Wie wird es sein, das Leben zu fünft? Haben wir die richtige Entscheidung getroffen? Hätten wir mit dem Zusammenziehen noch warten sollen, schließlich haben wir Verantwortung für die Kinder. Die neue Wohnung wurde uns direkt vor die Füße gebaut und schrie Monate über von der gegenüberliegenden Straßenseite: „Greift zu, ich könnte euer neues Zuhause sein.“ Wir griffen zu. Nicht blind, nicht unvorbereitet. Schon gut durchdacht und oft besprochen. Mit Liebe im Gepäck, Erwartungen an das Familienglück und dem unbedingten Willen, es zu schaffen. Viele scheitern, hatten wir gehört. Wir sind klug genug, dies nicht zu tun, das hatten wir uns fest vorgenommen. Und warum warten? Eine neue Jeans trägt man auch direkt nach dem Shoppen.

Wir legten also einen Raketenstarthin. Wochen lange Anspannung, Ausmisten, Ausmessen, Planen, Ikea-Besuche, gemeinsames Konto einrichten, dann endlich der Einzug im Dezember: Weihnachten im neuen Heim: 146 Quadratmeter, 3 WCs, 2 Kinderzimmer und bodentiefe Fenster. So hatte ich mir das vorgestellt. Nun ist April. Und Corona. Bilanz: Alles richtig gemacht. Gerade jetzt, wo alle auf Zuhause zurückgeworfen sind und die Wochentage eins werden, sitzen wir am Esstisch, dankbar über den Raum, den unser Nest bietet, die Helligkeit, den Sonnenbalkon und das Beieinandersein. Und langweilig wird es nie. Es gibt immer Arbeit, denn Patchwork-Alltag läuft nach dem Trial & Error-Prinzip: ausprobieren, nachjustieren. Shit happens, wenn‘s mal anderes läuft. Patchwork-Alltag ist permanente Selbstaktualisierung: Was brauche ich? Welche Position habe ich im Gefüge? Passt die Art wie ich denke zum Familienkontext? Patchwork-Alltag ist Organisationsentwicklung: Welche Werte leben wir? Wie lassen sich Prozesse und miteinander besser gestalten? Patchwork-Alltag ist Konfliktmanagement: Welcher Erziehungsstil ist der Richtige? Welche Rechte, welche Pflichten? Was will die Ex denn nun schon wieder? Vor allem ist Patchwork-Alltag aber eins: Familienglück! Schon als pubertäres Einzelkind mit alleinerziehender, kranker Mutter, träumte ich immer von einem großen Holztisch, um den herum sich zu den Mahlzeiten alle gesellig versammeln und essen, quatschen, diskutieren, lachen. Das Holztischmotiv verfolgt mich bis heute. Es wird euch sicher noch in meinen Geschichten begegnen.


113 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kaputt gekuschelt?