Krieg & Frieden

„Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann."

(Leo Tolstoi, Krieg & Frieden)


Eine funktionierende Patchworkfamilie zu etablieren ist nicht einfach und schon gar nicht immer lustig. Das bunte Flickwerk zusammenzunähen bis es ordentlich aussieht, stimmig zusammenpasst und stabil ist, ist harte Arbeit. Darum heißt es auch PatchWORK. Bei dieser Arbeit sind alle Beteiligten mit vielen Herausforderungen konfrontiert - angefangen bei unterschiedlichen Erziehungsstilen über Positionsgerangel bis hin zu Querelen mit den Expartnern, die automatisch mit ins neue Familienleben einziehen, sobald Kinder im Spiel sind. Ob man will oder nicht.

Im Idealfall sind die extern lebenden Partner wertvolle Stütze, konstruktive Ratgeber und souveräne „Verwandte“ im Gesamtkonstrukt.


Gute Eltern sein muss nicht automatisch Freundschaft bedeuten, aber verwerflich wäre das nicht. Warum nicht den Ex fragen, ob er die Blumen gießt, wenn man mit der neuen Familie in den Urlaub fährt? Weshalb nicht alle zusammen Weihnachten und Kindergeburtstage feiern? Es kommt auf die richtige Balance an.


Ich persönlich kenne viele gute Beispiele aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, wo das Miteinander harmonisch funktioniert. Das stimmt mich als Patchworkerin und Psychologin froh und zuversichtlich. Schließlich sollen später nicht lauter Traumatisierte für unsere Renten verantwortlich sein.


Es ist nicht immer leicht, ein herzliches Verhältnis zu bewahren. Aber ein sachliches sollte möglich sein. Das wäre essentiell. Den Kleinsten zuliebe.

Dennoch kennt jeder diese Schauergeschichten über Streitereien zwischen den Getrennten: Man redet nur noch über Anwälte miteinander. Man instrumentalisiert die Kinder. Man hetzt den Freundeskreis auf. Man bekriegt sich über Finanzen, Sorge- und Aufenthaltsrechte. Man verteufelt sich einseitig oder gar gegenseitig und gerät so zunehmend in eine Dauerschlaufe aus Wut, Trauer und Frust.

Mögen die Enttäuschungen und Verletzungen über das gescheiterte Lebenskonstrukt Familie noch so groß sein, die daraus resultierende Disharmonie, der Streit und die psychische Gewalt bringen allen Beteiligten immer wieder Leid.

Die Kinder sind die verletzlichsten Personen im System. Bekämpfen sich die getrennt lebenden Eltern nach mehr als zwei Jahren immer noch, ist vor allem die seelische Gesundheit der Nachkommen gefährdet. Selbst wenn sie es schaffen, die beiden Elternwelten zu trennen, so leiden sie häufig daran, nicht offen bei den jeweiligen Elternteilen über die andere Welt reden zu können. Sie spüren kleinste Spannungen sofort. Dessen muss man sich bewusst sein, jeden Tag aufs Neue.



Patchwork Psychologie

Der getrenntlebende /zurückgelassene Elternteil kann die erforderliche Enttäuschungsarbeit nicht leisten, sondern die Verletzungen stagnieren? Das macht Ex häufig zu Konflikttreibern mit dem Versuch, den „Verteufelungsprozess“ aktiv aufrechtzuerhalten. So verselbständigt sich das Übel schnell. Die Personen, die diesen Prozess aktiv aufrechterhalten, gehören zwingend in die Beratung. Ich unterstütze dabei, Kränkungen zu überwinden und das Selbstwertgefühl wieder zu stabilisieren.






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