Familie in der Krise ... zu haben ist ein Geschenk!

Schulalltagsstress. Wer hätte gedacht, dass ich ihn mal zu schätzen weiß. Eine Lockdown-Lektion, für die ich dankbar bin. Immerhin kommen dann morgens alle in Gang und der Tag hat den Anschein von Normalität.

Normal ist aber nichts in diesen verrückten Zeiten zwischen Schulszenario A und B, Quarantäne und mangelnden Freizeitangeboten.

„Corona-Lockdown hat viele Kinder unglücklich gemacht“, lese ich in der Tageszeitung. Schön, dass sich mal jemand mit dem Befinden der Kinder beschäftigt. Eine nicht repräsentative Umfrage der Region Hannover zu den Folgen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 ergab, dass die Einschränkungen wie Bewegungsmangel, Schulausfall oder Spielplatzverbot Kindern nicht gutgetan haben. Große Belastungen ergaben sich auch für Familien: Jede fünfte Familie gab an, dass es häufiger Streit gegeben habe.


Beim Mittagspaziergang mit einer Freundin stelle ich fest, dass sowohl sie als auch ich zu jeder fünften Familie gehören. Meine Freundin berichtet davon, wie sehr sie das Homeschooling an der Schule ihres Sohnes belastet. Und nicht nur das: Vor allem finden sie allesamt zuhause nicht den richtigen Umgang mit dieser Ausnahmesituation. Vielmehr streitet die ganze Familie täglich darüber, welchen Weg man in diesem Spannungsfeld von mehr Verständnis für lange pennen und schlechte Note (ist doch Corona) und der Strenge eines klösterlichen Daseins im Mittelalter, damit die Familie nicht verlottert (wegen Corona) einschlägt. Nie war es so schwer herauszufinden, was richtig und was falsch ist, denn es gibt keine Blaupause. Es ist ein ständiges Ausprobieren. Man sollte die Möglichkeit außer Acht lassen, es richtig machen zu können.


Keine Frage: Die Variable Virus hat das Familienleben um ein Vielfaches verkompliziert, denn zu den normalen Querelen des Alltags kommen in dieser extremen Krise einmal mehr verschiedene Meinungen, Erziehungsvorstellungen und Bedürfnisse zum Vorschein (verstärkt durch Corona). Wir streiten zuhause plötzlich darüber, ob wir Freunde einladen oder lieber nicht (zu riskant wegen Corona/so langweilig ohne Freunde wegen Corona). Wir streiten darüber, dass wir viel zu viel Geld für Lebensmittel ausgeben (aber es ist doch Corona, wir geben ja sonst nix aus!). Wir streiten, weil ich am Abend genervt bin von jobbedingter Langeweile und großem Frust (alles ausgefallen wegen Corona), während Rudi genervt ist von coronabedingter Mehrarbeit und abends kaum noch atmen kann (Scheiß Corona). Wir streiten, weil der Teenager seinen Bewegungsdrang auf die Daumen verlagert, in dem er damit auf die Handyoberfläche tippt. Wir streiten, weil das Videokonferenztool nicht so funktioniert, wie es soll oder weil mal wieder jemand während des Livestreams am Küchentisch Wasser im Sodastreamer sprudelt. Und wir streiten plötzlich darüber, wie wir Weihnachten feiern, was jahrelang so etwas wie gottgegeben unantastbar war.

Wir streiten und dann lachen wir wieder. Denn in dieser Zeit, in der alle im Freefall-Tower der Gefühle sitzen, ist uns vor allem eines täglich bewusst: Wie gut, dass wir einander haben. Und den Schulalltagsstress.


Patchwork-Psychologie


Stress und Streit in der Coronazeit?

Familiencoaching in Krisensituationen

Kostenloser Onlinevortrag am Mittwoch, 6. Januar, 18.00 bis 19.15 Uhr.


In einem 45-minütigen Online-Vortrag wird der Frage nachgegangen, wie wir in Stresssituationen besser miteinander kommunizieren können. Es werden außerdem Handlungsstrategien zum besseren Selbstmanagement und für mehr Gelassenheit aufgezeigt. Danach bleibt Zeit für Fragen und zum gegenseitigen Austausch.

Nach Ihrer Anmeldung per E-Mail (info@elawindels.de) erhalten Sie einen persönlichen Registrierungslink für den Zoom-Vortrag.


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