Die Lücke

Patchworkfamilien sind - wie der Flickenteppich - auf Erweiterung angelegt. Oder anders gesagt: Man gestaltet aus Resten wieder ein neues Ganzes. Im Idealfall ergibt dies dann ein buntes, schickes, strapazierfähiges neues Muster. 

Patchworkfamilie – das ist immer ein bisschen mehr von allem: Bonuskinder, Bonuseltern, Bonusomis, Bonushaustiere. Mehr Rollen, die im Beziehungsgeflecht definiert werden müssen, mehr Abstimmungsbedarf, mehr WhatsApp mit den Ex. Mehr Zimmer, mehr Betten, mehr Einkauf und mehr Hindernisse. 

Patchwork ist aber auch ganz häufig Familienleben mit Lücke, also mit weniger als eigentlich – ja was – erwartet, geplant, herbeigesehnt? Irgendwer hat immer Sehnsucht. Neulich im Urlaub zum Beispiel, da fehlten die beiden Kleinen in unserem Familiensystem. Das fiel immer dann auf, wenn woanders Kleine quietschend ins Meer hüpften oder ihre Saftschorle in den Tavernen vergossen und so alle Aufmerksamkeit auf ich zogen. Besonders bei R. klaffte die Lücke sichtbar schmerzhaft und groß. Meine Lücke schmerzte im Unterbauch, als das Pubertier nach dem Urlaub lieber ein paar Tage bei seinem Papa sein wollte, obwohl dann wiederum endlich wieder die Kleinen da waren - ein Kinderwochenende mit zwei von drei Kindern. Autsch. Nun sind in jedem Familiensystem ja niemals und immer alle da, aber eben freiwillig. Das Pubertier ist zunehmend besonders häufig freiwillig mal nicht da. Zum Beispiel an Halloween, da wollte er sich lieber mit seinen zwei Freunden gruseln und machte sein Ding. Ich gruselte mich vor der Lücke, die ich haben würde. Und wie der Zufall es wollte, fand ich am Halloween-Vorabend auch noch ein Foto, das mich sehnsuchtsvoll an die guten alten Zeiten erinnerte, als das Kind noch ein Kind war, ganz nah und ganz niedlich:  Das Pubertier mit Sechs als Vampir mit Kumpel Karl dem Schlossgespenst. Es erinnerte mich an Zeiten, in denen ich mich als Mutter mit Kostüme basteln und Augenränder schminken selbst verwirklichen und mit hüpfendem Herz an den Ergebnissen erfreuen konnte. 

Wie sich herausstellte, konnten dann aber die Kleinen meine Lücke füllen: Der Kalender zeigt Halloween an und die Bonuskinder wollten das Ausleben. Okay. Ich schminkte ihnen Spinnennetze auf die zarten Gesichter, schnitt ihnen Löcher in Laken, während wir „Süßes oder Saures“ übten und ich erfreute mich den ganzen Abend lang an dem Hexen- und HUI Buh-Outfit. 

Mit Blick auf Weihachten sollten alle Patchworkfamilien die zusammengestückelten Nähte des Flickenteppichs nochmal ordentlich verweben, damit sich die bunte schicke Patchwork-Decke in ihrer ganzen Größe entfaltet wärmend über alle legen kann. Sofern Corona nicht dazwischen grätscht. 

Patchwork-Psychologie

Eine wichtige Bezugsperson befindet sich immer woanders. Es kommen neue Bezugspersonen hinzu, zu denen auch der Wunsch nach Nähe besteht. Damit die Kinder ebenso wie die Erwachsenen Verluste, Ängste und Bedürfnisse besser verarbeiten und artikulieren können ist es wichtig, allen Sorgen der Beteiligten im Familiensystem Raum zu geben. Wenn Sie Unterstützung im Umgang mit den Schwierigkeiten im Patchworkalltag haben, sprechen Sie mich gerne für ein Coaching oder eine Beratung an. info@elawindels.de


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