Das Salamitoast-Remouladen-Buchstaben-Ritual

Uns steht ein Stiefmutter–Trennungsvater-Wochenende bevor.

Es hat ein Muster: freitags ist Eingewöhnungszeit. Insbesondere für die Zwillinge. Sie müssen sich nach zwei Wochen erstmal wieder mit ihrem zweiten Zuhause arrangieren. Nach zwei Wochen haben sie viel Nähe zum Vater aufzuholen. Und der sucht die Nähe zu ihnen ebenso.

All das wird von Kinderwochenende zu Kinderwochenende besser. In unserer Beziehungsgestaltung sind wir als Patchwork-Konstrukt eben ständig in Entwicklung und Bewegung. Regeln und allen voran Rituale geben Halt im Alltag. In klassischen Familien entstehen Rituale organisch. In Patchwork-Familien muss man sie schaffen. Wir haben da eins gefunden, dass allen Spaß macht und ganz nebenbei seinen Zweck erfüllt:

samstags zum Frühstück werden containerweise Salamitoasts vertilgt, aber keine gewöhnlichen Salamitoastbrote. Nein! Auf jede Salamitoasthälfte wird der von Kindern und dem Teenager gewählte Remouladenbuchstabe gemalt. Mit Liebe und Geduld, streichzart aus der Remouladen-Plastikflasche.

Neulich hatten wir die Idee, mit Pfannkuchen in den Samstag zu starten. Keine gute Idee. „Ich will Remouladenbuchstaben“, brüllte der Junge. „Ich will Salamitoast“, weinte das Mädchen. „Ich habe kein Bock auf Pfannkuchen, stöhnte der Teenager.

So erbarmten wir Erwachsenen uns für die Eierspeise und die Kids bekamen allesamt eine extra Wurst.


Freitagabends noch nehme ich in der Regel in meiner Rolle als Stiefmutter ein bockiges Verhalten der Kleinen oft persönlich und das aus dem allgemeinen schlechten Gewissen heraus inkonsequente Verhalten des Trennungsvaters nervt mich. Zu meiner Entschuldigung ist nur zu sagen, dass ich selbst natürlich auch mit meinem Gewöhnungsprozess beschäftigt bin. Und mit meinen eigenen Themen. Zum Beispiel gucke ich hin und wieder ganz spitz darauf, wie Zuneigung an den Familienwochenenden verteilt wird. Patchwork ist ein jahrelanger gratis Coaching-Prozess, wenn man es zulässt.


Wenn alle einmal unter einem Dach geschlafen haben, dann sind die Rollen wieder geklärt, die Prinzipien in Erinnerungen gerufen und alle sind aufeinander eingestellt.

Und spätestens mit unserem Salamitoast-Remouladen-Buchstaben-Ritual ist Frieden eingekehrt auf unserem Patchwork-Planeten.

Apropos Frieden: Ich muss jetzt los, Salami kaufen. Es ist Freitag!



Patchwork-Psychologie

Das Pendeln zwischen zwei Welten ist für alle eine Herausforderung, allen voran für Kinder. Patchwork wird oft als langjähriger Prozess in vier Entwicklungsphasen beschrieben: 1. Beschnuppern und kennenlernen, 2. Positionsgerangel und Machtkämpfe, 3. Fügung und 4. Etablierung. Zudem dient die Familie oft als Projektionsfläche für Vorstellungen, Sehnsüchte und Träume und für eigene in der Herkunftsfamilie erfahrene Überzeugungen und Selbstverständlichkeiten. Kinderwochenenden sind oft so etwas wie ein Mikrokosmos, ein kleiner Spiegel des Gesamtprozesses. Und es ist wesentlich, mit Abmachungen und Regeln Strukturen zu schaffen, in denen sich der Gewöhnungsprozess entfalten kann.


Gerne unterstütze ich Sie im Patchwork-Coaching dabei, ihre eigenen Familienmechanismen aufzudecken, Erwartungen zu formulieren, Leitlinien und Strukturen zu etablieren und vieles mehr. Sprechen Sie mich an: info@elawindels.de







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