Abenteuer Ausflugsplanung

Wir planen einen Ausflug. Das ist eine Mehrfachherausforderung in unserem Patchwork-Alltag. Allen voran, weil wir die Bedürfnisse zweier Fünfjähriger und eines Teenagers unter einen Hut bringen müssen und bestenfalls auch noch wir zwei Erwachsenen Freude haben wollen. Zudem kommt, dass wir als Patchworkkonstrukt nur sporadisch alle zusammen sind, d.h. die Ansprüche sind hoch. Aktuell ist eh alles doof, weil geschlossen. Lockdown 2.0!

Und dann ist auch noch Winter: nass, kalt, früh dunkel. Das macht es nicht gerade einfacher. Es sei denn … es liegt Schnee! Schnee geht immer. Und das tut es, jedenfalls im Harz, nur eineinhalb Stunden entfernt. Aber den soll man meiden, weil der Trubel im Harz im harten Lockdown ein Wimmelpool an Viren bedeutet und nun mit Polizeipräsenz unter Kontrolle gehalten wird.

„Der Harz ist riesig, da finden wir einen Ort“, findet Rudi und recherchierte drei Abende lang mordsgeduldig so lange möglichst menschfremde Ziele, bis er tatsächlich eine Gegend abseits des Touristentrubels fand. Wenig Leute, viel Schnee, perfekt für Januar 21 und ein Sonntagsausflug, der unvergesslich bleibt.


Im Sommer ist die Ausflugsplanung nicht unbedingt einfacher, hat aber ein ähnliches Leitmotto: Wasser geht immer. Es bedarf nur einiger Parameter, die es zu berücksichtigen gilt. Man muss kreativer planen und braucht mehr Zeug, als einen Holzschlitten für alle.

Nach dem Corona-Sommer sind wir einmal mehr bei der Planung zu Profis geworden. Allein schon die Auswahl der Badestelle ist von großer Relevanz, damit sich alle wohlfühlen, niemand Langeweile erleidet oder gar einen Hitzekoller. Also suchten wir nach Zielen mit flachem Einstieg ins Nass für die Kleien, gutes WLAN und einen angrenzenden Kiosk für den Teenager, ein paar Baumstümpfe in der Nähe zum Bogenschießen für Rudi und ausreichend Sonnenplätze im feinen Sand mit klarem Wasser zum Baden für mich.

Die Kunst ist, für jeden was Passendes dabei zu haben: Eimer und Schaufeln für das Mädchen, Wasserfahrzeuge von Playmobil für den Jungen, die Drohne für den Teenager, Pfeile und Bogen für Rudi und ein gutes Buch für Mama. Und wenn dann doch irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem die drei Kids maulen: Langweilig!, dann holen wir unseren Joker aus dem Kofferraum: Ein neues Schlauchboot mit Motor. Aufbauen, über den See tuckern, an Bord picknicken, abbauen. Sommerspaß für die ganze Patchworkfamilie.

Wen wir sonntagsvormittags das Haus verlassen dann könnte man vermuten, dass wir zwei Wochen nach Italien reisen statt zwei Stunden an den See, aber wenn‘s hilft …


Der Zoobesuch ist für den Teenager schon länger nichts mehr und beim Besuch auf den Spielplatz klinke ich mich aus. 10 Jahre Spielplatz habe ich hinter mir – das reicht!

Museen und Burgen sind beim Großen von der Tageslaune abhängig und bei den Kleinen steht und fällt so ein Ziel mit den zu bewältigenden Wegen. Radtouren mit der ganzen Bagage? Schwierig. Spazieren gehen? No way. Vielleicht ein Besuch im Freizeitpark? Ja, der gehört tatsächlich in die Liga Schnee und Wasser.

Im Herbst waren wir allesamt Bogenschießen. Es sollte ein Ausflugs-Tauglichkeits-Test werden. Während Rudi beim Frühstück noch rätselte, wie wir die Kleinen in dem professionellen Parcours beschäftigen können, legte ich Lennys alte Hasbro Nerf auf den Esstisch. Großartig. Und es hat funktioniert. Rudi, Lenny und ich schossen spitze Pfeile auf Gummitiere und dann ballerten die Kleinen Schaumstoffmunition hinterher und freuten sich wie Bolle.


Fazit: Familienausflüge, die so unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden müssen, wie in unserer Patchworkfamilie, sind immer ein Balanceakt. Sie brauchen eine supergute Vorausplanung und viel Feingefühl. Aber wenn man das beherzigt, kann das Abenteuer starten!


Patchwork-Psychologie:

In Patchworkfamilien prallen unterschiedliche Logiken, Ansprüche und Erwartungen aufeinander. Einmal mehr ist es wichtig, Wünsche und Vorstellungen aller Familienmitglieder abzufragen, damit sich alle wohlfühlen und ihren Platz im neuen Familiensystem finden - nicht nur an den "Kinderwochenenden". Interessenkonflikte lassen sich zum Beispiel im Rahmen einer regelmäßigen Familienkonferenz demokratisch lösen. Wenn Sie Unterstützung - z.B. in Form einer Moderation/Mediation - bei der Durchführung einer Familienkonferenz oder beim Lösen von familiären Konfliktsituationen benötigen, dann sprechen Sie mich gerne an: info@elawindels.de


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